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Oh Tannenbaum

"Den Puls des eigenen Herzens fühlen. Ruhe im Inneren, Ruhe im Äußeren. Wieder Atem holen lernen, das ist es"

Ob Christian Morgenstern wohl unter einer Tanne saß, als er diese Zeilen zu Papier brachte? Die Weißtanne ist eine unserer majestätischsten Bäume der heimischen Wälder. Nicht nur als Christbaum hat sie ihren Zauber - in dem edlen Baum steckt noch viel mehr.



Die Weiß-Tanne (Abies alba) steht symbolisch für Zentrierung, Standhaftigkeit und Verwurzelung. Denn mit einer Wuchshöhe von bis zu 65 Metern ist sie eines der höchsten Nadelgehölze in den Wäldern Europas. Darüber hinaus kann sie bis zu 600 Jahre alt werden und behält ihre Nadeln bis zu 12 Jahre an den Zweigen.


Viele Sagen und Bräuche ranken sich um sie. Die Tanne ist zentraler Bestandteil beim Hausbau, beim sogenannten Richtfest, wo sie Haus und Bewohner beschützen soll. Auch der Palmbuschen enthält traditionell Tannenzweige, um seine Wirkung bestmöglich entfalten zu können.


Und jetzt im Dezember ist sie als traditioneller Weihnachtsbaum in den Wohnzimmern der Menschen auch nicht mehr wegzudenken. Halt - aufmerksamen Lesern wird nicht entgangen sein, dass zu Weihnachten eher andere Arten, wie zum Beispiel die Nordmann-Tanne oder die Edeltanne als Christbaum verwendet werden und nicht unsere heimische Weiß-Tanne.

Doch welche Rolle spielt überhaupt der Weihnachtsbaum?


Der Weihnachtsbaum ist eigentlich ein uraltes Abbild des Weltenbaums, das unsere Ahnen seit jeher als Symbol des Lebens ansahen. Er steht für Verbindung zu allem, für Weisheit, für das ewige Leben und dient als Bindeglied zwischen Universum und Mensch.


Unsere Weihnachtsbäume bzw. die Baumarten, wie etwa die Tanne, die Fichte oder die Eibe sind alte schamanische Weltenbäume. So wurde etwa die Tanne als "Wohnsitz der Götter" bezeichnet oder die Fichte als Heimat eines weiblichen, mütterlich schützenden Baumgeists.


Der Baumschmuck

Feierlich geschmückt wurde der Baum mit Äpfeln, die heutzutage durch Weihnachtskugeln ersetzt wurden. Bevorzugt verwendete man die Farben Gold, als Symbol für die Sonne, oder Rot, für Lebenskraft oder das Feuer des Lebens. Sie repräsentieren Lebensfreude, Sonnenkraft, Fülle und das ewige Leben.


Der Stern an der Spitze war ursprünglich achtstrahlig und golden, um an die Sonne und die acht Speichen des Jahresrades zu erinnern. Kerzen unterstreichen bis heute die Strahlkraft des Baumes. Wer heute noch Strohsterne verwendet, interessiert sich vielleicht dafür, dass sie als Symbol für kleine Sonnenräder verwendet wurden. Was heute vielleicht bei manchen als verstaubt oder banal angesehen wird, hatte früher eine tiefe Bedeutung und ging mit großer Wertschätzung gegenüber dem Leben einher.

Und wer morgen bei Kerzenschein vor seinem Tannenbaum steht, der möge für einen Moment den Blick abwenden von all den Geschenken, die darunter liegen und sich daran erinnern, dass dieser magische Baum vor ihm auch eine große Heilwirkung für uns in Menschen in sich trägt.

Körperliche Wirkung:

antiseptisch, kreislaufanregend, schleimlösend, hustenstillend, desinfizierend


Viele Menschen schätzen ihre Heilkraft speziell bei Erkältungskrankheiten und Erkrankungen der Atemwege. Denn die Tanne unterstützt uns nicht nur bei der Sauerstoffaufnahme, sondern ist auch ein wirksames Mittel gegen Reizhusten. Der würzige Duft ist eine Wohltat für unsere Atmungsorgane.

Aber auch bei Muskel- und Gelenkschmerzen, bei Rheuma, Muskelkater und Blutergüssen ist die Tanne das Mittel der Wahl. Hierfür wird sie als Kompresse, Wickel oder in Form einer Creme angewendet und spendet so Linderung. Hol dir die heilsame Wirkung in deine Teetasse oder Badewanne!

Rezept-Tipps: Tannen-Tee: Eine kl. Handvoll Tannen-Nadeln zerkleinern und in eine Tasse geben, mit heißem Wasser auffüllen, etwa 7 Minuten bedeckt ziehen lassen und abgießen. Gerne mit etwas Honig genießen (wenn der Tee nicht mehr brühend heiß ist), um die heilsame Wirkung zu verstärken.
Tannen-Bad: Sammle rund 300g Tannen-Nadeln und zerkleinere sie etwas, anschließend in eine Kanne geben und mit ca. 2l kochendem Wasser übergießen, geschlossen etwa 15 Minuten ziehen lassen und abschließend ins Badewasser geben. Die ätherischen Öle beruhigen die Nerven und lindern Atemwegserkrankungen.

Wirkung auf Geist und Seele:

nervenstärkend, reinigend, aufrichtend, belebend, kräftigend


Ein Teil meiner Arbeit mit Menschen findet in der Natur statt. Darum ist es mir auch ein Herzensanliegen, den Menschen das Wissen um die Heilkraft der Natur wieder ein Stück weit näher zu bringen.

Die Tanne unterstützt uns Menschen bei Gefühlsschwankungen und nervösen Verstimmungen. Aber auch bei Anspannung, Stress und Erschöpfungszuständen kann sie stabilisierend wirken. Sie schenkt uns Aufrichtung und hilft uns, unser inneres Gleichgewicht wiederzufinden.


Rezept-Tipp: Vitalisierender Raum- oder Körperspray: 8 Tropfen ätherisches Grapefruitöl und 8 Tropfen ätherisches Weißtannenöl in eine kleine Sprühflasche (30ml) geben, mit Melissenhydrolat oder Wasser auffüllen. Vor Gebrauch schütteln. Dieser Spray hilft, wieder gut durchatmen zu können, erfrischt und belebt.


Zu guter Letzt ist mir noch wichtig, darauf hinzuweisen, dass es nicht immer erforderlich ist, die jeweilige Pflanze zu sammeln und zu verarbeiten. So manche Verschnaufpause habe ich mir schon an eine Tanne gelehnt gegönnt. Den Blick in die Ferne oder nach oben in die imposante Krone schweifen lassen und mich gefragt, wie viele Menschen wohl schon an ihr vorbeigekommen sind. Und immer wieder koste ich bei meinen täglichen Streifzügen im Wald eine Nadel und erfreue mich an dem Geschmack, der mich an Orange und Weihnachten erinnert.